Diagnose Brustkrebs.

Früherkennung – Operation – Therapie

Kurz und knapp: Unter dem Begriff Brustkrebs (Mammakarzinom) werden bösartige Tumore zusammengefasst, die vom Drüsengewebe der Brust ausgehen und in das umliegende Gewebe eindringen. Weitere Worte, die anstelle von Krebs von vielen Menschen benutzt werden, sind Tumor und Geschwulst.

Das Wort Tumor ist aber eigentlich die Übersetzung des deutschen Wortes Schwellung und sagt nichts darüber aus, ob es sich um ein gutartiges oder bösartiges Geschehen handelt. Genauso verhält es sich mit dem Wort Geschwulst, wobei Letzteres eher im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung benutzt wird.

Im Gegensatz zu einem Tumor ist ein Krebs immer bösartig, weil er das Leben bedrohen kann. Krebszellen vermehren sich unkontrolliert. Sie haben die Fähigkeit, in das umgebende Gewebe einzudringen und können Tochtergeschwülste (Metastasen, Filiae) in entfernten Regionen, z.B. Leber, Lunge und Knochen bilden. Dorthin wandern die Krebszellen auf dem Blut- oder Lymphweg.

Es gibt mehrere Arten von Brustkrebs. Der Pathologe, der das Gewebe unter dem Mikroskop betrachtet, unterscheidet unter anderem das invasiv-duktale Karzinom und das invasiv-lobuläre Karzinom nach dem Typ der Zelle, die im Krebs vorherrscht.

Früherkennung – Das sollten Sie tun

Brustkrebs vorzubeugen heißt, ihn rechtzeitig zu erkennen. Je kleiner ein Krebs ist, wenn er erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Die Vorsorge setzt sich aus mehreren Teilen zusammen:

1. Die Selbstuntersuchung

Einmal im Monat sollten Sie Ihre Brüste eingehend betrachten und auf Knoten abtasten. Sie selbst kennen Ihre Brust am besten und können daher Veränderungen am frühesten bemerken. Die Selbstuntersuchung sollte zwischen dem ersten und zehnten Tag nach Beginn der monatlichen Blutung durchgeführt werden. Jede Veränderung, die Sie bemerken, sollten Sie einem Arzt zeigen, der dann entscheiden kann, ob es sich um eine harmlose Veränderung handelt oder ob weitere Untersuchungen durchgeführt werden müssen. Wenn die Frau keine Blutung mehr hat, kann die Selbstuntersuchung an einem beliebigen Tag im Monat aller vier Wochen durchgeführt werden.

2. Früherkennungsuntersuchung beim Arzt

Zusätzlich zur Selbstuntersuchung der Brust sollten Sie die Früherkennungsuntersuchung bei Ihrem Arzt wahrnehmen. Die Tastuntersuchung der Brust ist Teil der Krebsvorsorge. Darüber hinaus kann Sie der Arzt zur Notwendigkeit weiterer Maßnahmen beraten.

3. Mammografie-Screening

Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Screening bedeutet, dass Frauen einer Altersgruppe ohne Krankheitsanzeichen, sich frühzeitig untersuchen lassen. Andere Früherkennungsuntersuchungen sind z.B. der Abstrich vom Gebärmutterhals, der einmal jährlich durch den Frauenarzt abgenommen wird. Das Ziel des Mammografie-Screenings besteht darin, eine Brustkrebserkrankung zu finden, bevor Beschwerden, z.B. ein tastbarer Knoten, auftreten. Die Mammografie hat den Vorteil, dass sie Auffälligkeiten in der Brust erkennen kann, wenn der Tumor noch sehr klein ist. Dies erhöht die Chancen auf eine Heilung und fördert möglicher Weise eine schonendere brusterhaltende Behandlung.

Operation

Steht die Diagnose Brustkrebs zweifelsfrei fest, muss in den meisten Fällen der Tumor aus der Brust entfernt werden. Nicht immer geht es dabei um die vollständige Entfernung der Brust. Neben der Brust sind es vor allem auch die Lymphknoten, denen die Ärzte ganz besondere Aufmerksamkeit schenken müssen, denn Brustkrebs breitet sich - wie andere Krebsarten auch - über die Lymphgefäße aus.

1.1. Die brusterhaltende Operation

Die Mehrzahl der Frauen mit Brustkrebs kann heute brusterhaltend operiert werden (Segmentektomie, Lumpektomie, Tumorexzision). Dabei bleibt die Brust erhalten und nur der Tumor wird – mit einem Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe – aus der Brust entfernt. Der Vorteil der Operation besteht eindeutig darin, dass das Körperbild der Frau nicht in solchem Ausmaß wie bei einer Brustentfernung verändert wird. Allerdings haben Untersuchungen von Psychologen ergeben, dass die Art der Operation nicht unbedingt einen Einfluss auf die Lebensqualität nach einer Brustkrebserkrankung hat und sich manche Frauen durch eine vollständige Entfernung der Brust sicherer fühlen.

Voraussetzung für eine brusterhaltende Operation ist ein einzelner, örtlich begrenzt wachsender Tumor, das heißt der Tumor darf nur an einer Stelle in der Brust sein. Er darf weder die Haut noch die Brustwand befallen haben. Darüber hinaus ist das Verhältnis der Größe des Tumorsn zur Größe der Brust entscheidend. So ist es beispielsweise einfach einen kleinen Tumor aus einer relativ großen Brust zu entfernen. Je kleiner jedoch die Brust ist, und je größer der Tumor, desto schwieriger ist diese Operation. Das kosmetische Ergebnis hängt darüber hinaus von dem Sitz des Tumors ab. Befindet er sich direkt hinter der Brustwarze, muss dies im Rahmen der Operation entfernt werden.

Wichtiger Hinweis

Nach jeder brusterhaltenden Therapie muss die Brust gegebenenfalls zusätzlich bestrahlt werden, um das Risiko für den Rückfall einer Krebserkrankung in der Brust zu verringern.

1.2. Die Mastektomie

Ist der Tumor für eine brusterhaltende Therapie zu groß, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:

  • eine neoadjuvante Chemotherapie oder
  • die komplette Entfernung der Brust (Ablatio mammae, Mastektomie)
Bei der Mastektomie wir die von Krebs betroffene Brust einschließlich der Brustwarze und der den großen Brustmuskels umgebenden Hülle entfernt. Es resultiert eine Narbe, die sich quer über die Brustwand zieht. Die Operation wird seltener als die brusterhaltende Operation durchgeführt. Unabhängig von den medizinischen Gründen aus denen sie durchgeführt werden muss, wählen jedoch auch einige Frauen diese Art der Operation. Das können z.B. Frauen sein, die durch eine Veränderung der Brustkrebsgene ein hohes Risiko für einen Brustkrebs haben.

1.3. Die Rekonstruktion der Brust

Der Brustwiederaufbau kann mit Eigengewebe erfolgen, indem Haut- oder Muskelgewebe verschoben bzw. verpflanzt wird. Alternativ oder in Kombination können Implantate aus Kunststoffhüllen mit Silikon-, Salzwasser- oder Hydrogel-Füllung unter dem Brustmuskel eingelegt werden. Auch eine Brustwarze kann durch Hautverpflanzung und/oder Tätowierung rekonstruiert werden.
Entscheidend für die Wahl des Zeitpunktes der Rekonstruktion sind die weitere notwendige Behandlung und vor allem der Wunsch der Patientin.


2. Operation der Lymphknoten

Eine Untersuchung der Lymphknoten, die zu dem betroffenen Organ gehören, erfolgt bei jeder Krebsdiagnose. Die Lymphknoten in der Achselhöhle der betroffenen Seite werden sowohl bei der brusterhaltenden Operation als auch bei der Mastektomie entfernt. Das ist wichtig für die Feststellung des Tumorstadiums und die Ableitung der weiteren Behandlung. Gerade die Entfernung der Lymphknoten ist jedoch nicht selten mit Spätfolgen, wie z.B. einem Lymphödem, verbunden.

Weitere Informationen

In diesem Fall finden Sie nähere Informationen unter www.lymphforum-chemnitz.de

2.1. Entfernung des Sentinel-Lymphknotens

Ein modernes Konzept der Operation des Brustkrebses ist die Entfernung des Wächterlymphknotens.

Wir wissen heute, dass bei Patientinnen, die einen kleinen Brustkrebs haben, die Lymphknoten häufig noch nicht von Krebszellen befallen sind. Außerdem ist bekannt, dass sich die Krebszellen einem bestimmten Weg folgend in den Lymphknoten absiedeln. Der Lymphknoten, der als erster betroffen ist bzw. die Gruppe der Lymphknoten bezeichnet man als (Schild)-Wächter- oder Sentinel-Lymphknoten. Dieser Wächterlymphknoten kann vor der Operation markiert werden, indem ein schwach radioaktiv markiertes Medikament um den Tumor herum gespritzt wird. Die Ausbreitung des Medikamentes erfolgt genauso, wie die Ausbreitung der Krebszellen. Der Operateur ist dann in der Lage, den Wächterlymphknoten mit einer speziellen Sonde durch die Haut aufzuspüren und gezielt über einen kleinen Schnitt zu entfernen. Diese Art der Markierung wird mit der zusätzlichen Markierung des Wächterlymphknotens durch einen blauen Farbstoff kombiniert. Die Doppelmarkierung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Wächterlymphknoten während der Operation gefunden wird. Anstatt alle Lymphknoten aus der Achselhöhle zu entfernen werden also nur die radioaktiv und/oder blau markierten Wächterlymphknoten entfernt.

Idealerweise lässt der Operateur diese Lymphknoten im sogenannten Schnellschnitt während der Operation durch einen Spezialisten, den Pathologen, untersuchen. Sind die Wächterlymphknoten ohne Tumorzellen, kann man auf die komplette Entfernung aller Lymphknoten verzichten. Damit können die Beschwerden nach der Operation verringert werden. Werden Krebszellen in den Wächterlymphknoten nachgewiesen, müssen alle Lymphknoten komplett aus der Achselhöhle entfernt werden.

2.2. Komplette Axilladissektion

Bei der kompletten Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle wird das Fettgewebe in dem sich die Lymphknoten befinden, vollständig aus der Achselhöhle entfernt. Die in der Achselhöhle verlaufenden Nerven, die für die Beweglichkeit des Armes teilweise verantwortlich sind, werden dargestellt und sorgfältig geschont. Trotzdem kommt es bei dieser Art der Operation bei fast einem Drittel der Patientinnen zu Spätfolgen. Diese können von einer Beeinträchtigung der Beweglichkeit im Schulter-Arm-Bereich bis zu einer Veränderung des Gefühls in dieser Region oder aber einem Lymphödem reichen. Das Risiko für diese Veränderungen steigt mit der Anzahl der befallenen Lymphknoten.

Therapie

1. Chemotherapie

Unter der Chemotherapie versteht man die, in der Regel ambulante, Verabreichung von Medikamenten, welche die Vermehrung von Zellen hemmen. Die Medikamenteneinnahme erfolgt entweder als Infusion oder in Form von Tabletten. Die Medikamente entfalten Ihre Wirkung im gesamten Körper und können so Krebszellen überall erreichen. Bei Ihrem Effekt setzen sie auf eine besondere Eigenschaft der Krebszellen: ihre schnelle Zellteilung. Allerdings können auch andere schnell wachsende Zellen angegriffen werden. Dazu gehören blutbindende Zellen des Knochenmarks, die Zellen der Haarwurzeln, Magen- und Darmschleimhautzellen sowie Zellen der Mundschleimhaut. Dies erklärt die typischen unerwünschten Wirkungen oder Nebenwirkungen der Chemotherapie: Müdigkeit, Herabsetzung der Abwehr des Körpers, Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und allgemeines Unwohlsein.

Die Chemotherapie wird als ein bestimmtes Schema mit einer unterschiedlichen Zahl von Zyklen durchgeführt. Schema bezeichnet dabei die Medikamente, die allein als Monochemotherapie oder in Kombination von mehreren Medikamenten als Polychemotherapie verabreicht werden. Ein Schema wird mehrfach wiederholt und das beschreibt das Wort Zyklus. Die Zyklen haben eine unterschiedliche Länge (eine bis drei Wochen).

2. Bestrahlung

Energiereiche Strahlung kann Krebszellen zerstören oder zumindest in Ihrem Wachstum hemmen. Nach jeder brusterhaltenden Operation erfolgt routinemäßig die Behandlung der Brust mit Röntgenstrahlen. Damit sollen nach der Operation möglicherweise zurückgebliebene Krebszellen zerstört und das Wiederauftreten des Tumors an gleicher Stelle verhindert werden. Die Bestrahlung erfolgt, sobald die Wundheilung abgeschlossen ist, also frühestens drei Wochen nach der Operation. Im Falle einer Chemotherapie wird erst nach deren Abschluss bestrahlt.